Foto: Pädagisch Wertlos

Pädagogisch Wertlos – Punkrock neben dem Waschsalon

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Wer die Lokalität Südstadt in München kennt, weiß, dass dies keine 08/15-Bar ist. Vielmehr ist es ein Ort, an dem sich seit Jahren eine alternative Szene trifft, um zu kickern oder einfach bei guter Musik das Wohnzimmer-Feeling zu genießen. Früher zierten unzählige schwarz-weiße Zeitungsschnitte die Wände, heute sind es eindrucksvolle, farbintensive Graffitis, die die Atmosphäre des Schlachthofviertels in die Bar holen. Ein perfekter Ort, um einen Großteil der Band Pädagogisch Wertlos auf ein Gespräch zu treffen.


Pädagogisch Wertlos ist Punk-Musik: geradeaus, ohne Schleifchen oder Schnickschnack. 2025 hat sich die Band in ihrer heutigen Form gefunden und zeigt einmal mehr, dass das versnobbte München auch Punk kann. Die ersten musikalischen Ideen entstanden aus einer lockeren Runde, die gemeinsam mit Sängerin Carina die Basis für das heutige Projekt legte. Verbunden hat die MusikerInnen dabei nicht nur die Lust auf laute Musik, sondern auch der gemeinsame Job in der Pädagogik. Da in diesem beruflichen Kontext ständig der Satz „Das ist pädagogisch wertvoll!” fällt, lag die ironische Umkehr im Bandnamen auf der Hand. Mit Lisa am Schlagzeug und Domi an der Gitarre wurde die Band komplett und die ersten Songs gingen in den Kasten.

Im Mai 2025 erschien die erste EP Zu verschenken – sechs Tracks à rund zwei Minuten, die ein herrlich rohes Punkbrett abliefern. Voller Ironie, Witz, Provokation und gesellschaftskritischen Seitenhieben, die die Denkmühle anwerfen sollen. Während unseres Gesprächs scrollte die Band nebenbei auf Instagram, entdeckte einen langen Kommentar eines Followers – und beschloss spontan, den kompletten Text zu „Susi zieht“ dazuzuposten. Unkompliziert und direkt, ganz im Sinne des Bandspirits.

Die Lyrics entstehen oft aus Themen, die die MusikerInnen gerade beschäftigen. Aus einem Gedanken entwickeln sich einzelne Zeilen, an denen dann alle gemeinsam weiterbauen. So entstehen Songs über Überkonsum, Sucht – oder eben über Fruchtfliegen. Musikalisch ist vieles das Ergebnis von Jamsessions. Im Proberaum, der direkt neben einem Waschsalon liegt, wird ausprobiert, verworfen, wieder aufgegriffen. Daraus wachsen kleine musikalische Schnipsel, die später zu Songs werden. Und um den pädagogischen Bogen mit Humor zurückzuschlagen, covert die Band auch mal Kinderlieder wie „Pipi Langstrumpf“. Für Phi ist das logisch: „Punk, Kinderlieder und Schlager haben den gleichen Breed.“ Eingängige Harmonien, Drei-Akkorde-Klassiker, klare Rhythmen – einfache Mittel, große Wirkung.

Ihren ersten Gig spielten Pädagogisch Wertlos im September 2025 beim Sprungbrett im Feierwerk – allerdings unter besonderen Umständen. Die damalige Sängerin fiel kurzfristig aus, also sprang Yuka ein und stellte sich mit gerade einmal zwei, drei Proben an die Front. Der Auftritt wurde trotzdem – oder gerade deshalb – zu einem Moment, der hängen blieb. Inzwischen gehört Yuka fest zur Band und bringt genau diese Energie dauerhaft mit ein. Musikalisch wie menschlich harmonieren alle auf einer Frequenz. Geprägt von großen Alternative-Rockbands der 2010er-Jahre, aber mit einem Bein im Punk, entsteht bei Pädagogisch Wertlos ein individueller Vibe, der durch die unterschiedlichen Charaktere noch verstärkt wird.

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Weitere Informationen

 

Was ich im Gespräch schnell gemerkt habe: Diese Band macht Musik, weil sie es liebt – nicht, um irgendeiner Vorstellung von Erfolg hinterherzujagen. Es geht nicht um den nächsten Hit oder darum, möglichst schnell groß zu werden. Es geht ums Zusammensein. Darum, gemeinsam eine gute Zeit zu haben, zu jammen, zu lachen, zu diskutieren, Dinge auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen. Alle wirken wie sehr unterschiedliche, aber extrem entspannte Charaktere, die sich gut kennen und einander Raum lassen. Die Gespräche drehen sich eher um gesellschaftliche Fragen, Subkultur, Zukunft, persönliche Erfahrungen – und weniger darum, was morgen im Fernsehen läuft. Diese Haltung spürt man in ihrer Musik genauso wie in ihrem Umgang miteinander.

Auch die Münchner Subkultur spielt im Gespräch eine große Rolle. Lisa beschreibt eine Szene, die zwar groß und vielfältig ist, aber oft nebeneinander statt miteinander existiert. Viel Potenzial bleibe ungenutzt, weil echte Vernetzung fehle. Schon die Aufnahme einer EP sei für viele junge Bands finanziell kaum machbar. Mehr Kooperationen mit Hobby-Produzent:innen oder niedrigschwelligen Studios könnten hier enorm helfen. Phi bestätigt das und meint, dass er in anderen Städten sehr viel mehr gegenseitigen Support beobachtet als in München.

Fazit: Pädagogisch Wertlos erinnern daran, dass Punk vor allem eines ist: miteinander laut sein, den Spaß niemals vergessen und die Welt kurz anhalten. Wir dürfen gespannt sein, welche Geschichten, pädagogische Methoden und Überraschungen diese Band München noch zumuten wird.


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