Wie rotzig geht eigentlich?
Sexschweiss zeigen mit ihrem zweiten Album DADA, dass es für diese Eigenschaft offenbar keine Grenze gibt. Es kracht, es provoziert, es pogt schon beim bloßen Anhören.
Die Münchner Punkband um Sängerin Claudia Röhrle hat im Januar mit ihrem Debütalbum Gestank vorgelegt – und ist damit wie ein Monstertruck durchgestartet, der alles niederwalzt, was ihm in den Weg kommt. Und wenn man ein Jahr mit so einem Album eröffnet, ergibt es fast schon Sinn, es auch mit einem weiteren zu beenden.
Wer jetzt glaubt, dass auf DADA einfach nur Tracks gelandet sind, die auf dem Debüt keinen Platz mehr gefunden haben, liegt ziemlich daneben. DADA bringt sieben neue, frische Songs in die Sexschweiss-Jukebox. Sie behalten den rohen, direkten Charakter der Band bei, entwickeln ihn an einigen Stellen aber konsequent weiter – ohne dabei an Wucht, Schmutz oder Attitüde zu verlieren.
Mit kurzer Lunte lassen es Sexschweiss im gleichnamigen Track DADA direkt völlig explodieren. Ein Schlagzeuggewitter, ein zerstörerisches Gitarrenriff, ein pushender Bass und diese druckvoll schmetternde Stimme rütteln von Sekunde eins an so wach, als hätte man zehn Energydrinks auf Ex getrunken. Klassischer Sexschweiss-Sound, gekoppelt mit Lyrics, die sich um das tägliche Nicht-entscheiden-Können drehen und den Frustpegel ans Limit schieben.
Ganz anders geht es mit TAT weiter, wo sich plötzlich eine gewisse Nahbarkeit entwickelt. Weniger Verzerrung, ruhiger, ernster – was die Thematik des Textes noch stärker in den Fokus rückt. Wie der Titel schon andeutet, singt Claudia über Täter, ihr Handeln, deren Folgen und die Verantwortung dafür. Besonders hier rückt der Bass-Synthesizer (Sebastian Pfeifer) ins Zentrum. Er bekommt allgemein auf dem gesamten Album mehr Raum und schärft den eigenständigen Sound der Band noch einmal deutlich. Auch in SUHLEN steht der Bass-Synthi im instrumentalen Scheinwerferlicht, während die Gitarre (Maximilian Hirning) ein metal-angehauchtes Riff niederbrettert. Es geht um Besessenheit, fast um etwas Süchtiges, von dem man nicht genug bekommt. Claudia trägt auch hier diese greifbare Emotion in der Stimme, die fesselt. Trotz schreiendem, wütendem Gesang bleibt immer diese verletzliche Nähe spürbar. In ALLES GUT, das die Sehnsucht nach innerem Frieden beschreibt, zeigt sich Claudia im Refrain für einen kurzen Moment fast party-poppig – wird aber sofort wieder von ihrer eigenen positiven Verrücktheit ins Chaos zurückgezogen.
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Ein theatrales Feuerwerk zünden Sexschweiss in DEINE AUGEN. Die Drums sind hier extrem wuchtig und bilden einen klaren Höhepunkt in dem Track. Die über die Sticks geladene Energie geht ohne Umweg in den Bewegungsapparat. Besonders stark ist, wie Schlagzeuger Dominik Scholz unterschiedliche Spielweisen und Rhythmen kombiniert und dem Song so eine enorme Dynamik verleiht. Der Kontrast zwischen brachialem Punk-Sound und emotionaler Verletzlichkeit tritt hier besonders deutlich hervor. MILCH schließt das zweite Album von Sexschweiss ab – düster und beklemmend. Die Gitarre setzt kleine melodische Nadelstiche, die sich wie Muster auf dem Band der Bassline abzeichnen. Und auch hier zeigt Claudia eine weitere Facette ihres Gesangs: leicht fremdgesteuert, fast psycho, und genau deshalb so eindringlich.
DADA ist ein Album, das Beton zu Staub explodieren lässt. Es klingt frisch, voller Spielfreude und macht Lust auf mehr von der Band. Schnelle Gitarrenriffs wie ein Geschwindigkeitsrausch, ein drückender Synthi-Bass, der der Band ihre besondere Farbe gibt, brachiale Drums, die ein Atomkraftwerk in Schutt und Asche legen – und ein Gesang, der einem den Kopf einmal komplett verdreht. Wer danach still sitzen bleibt, hat nicht richtig zugehört.
Sexschweiss – DADA // Schaufel und Besen Records // VÖ: 18.12.2025 // > Homepage




