Foto: Max Sonnenschein

23. Mai
Benjamin von Stuckrad-Barre

Es gibt Biographien, die sind vorhersehbar. Ein Plan vorheriger Generationen in der Absicht eine Dynastie zu errichten und den Familiennamen nach außen zu tragen. Dann erscheint auf zu extrovertiert gestalteten Fassadenschildern Metzgerei Laubinger – in 7. Generation. Es gibt aber auch Biographien, die sind das Gegenteil. Ein kleines Boot, gefaltet aus einem Stück Papier, welches man in den Quell eines Flusses hineingibt und das Delta alle Möglichkeiten der Verästelung als Umstände zwischen Himmel und Hölle zur Verfügung stellt. Letzteres trifft wohl eher auf Stuckrad-Barre zu.

Das Schreiben war es, was ihn zur Musik brachte. Die Musik war jedoch zuerst. Das Schreiben Mittel zum Zweck. Die Tickets für Konzerte waren zu teuer und wo hierfür kein Geld da ist, kann für Platten schließlich auch nichts übrig sein. Also Schreiben. Nach eigener Aussage nicht gut und teilweise auch viel zu persönlich, aber die Währung gilt. Und es ging ja schließlich um Musik. Da war der Zweck gegeben und somit jedes Mittel recht.

Über viele kleine Zufälle also beim Rolling Stone gelandet und im Meeting mit den Fantastischen Vier. Das Attest eines netten Kerls, der aber keine Ahnung von HipHop hat. Nicht weiter schlimm. Wenn der Grund des Meetings die Biographie der Band ist, irreführend. Also kein Fanta 4 Buch. Aber den Kontakt der Verlegerin. Das Boot schwimmt.

Zeitsprung. 2016. Panikherz. Es wird einem kalt und heiß zugleich, die Sympathie für den verzweifelt verkoksten und am Abgrund des Lebens angekommenen Protagonisten weicht dem als Mitleid verkleidetem Zuwider sein. Die erschreckend detaillierte Weise erzählt viel zu genau die andere Seite des seit den späten 90ern beschriebenen Pop-Autors. Alkohol, Drogen, Depression. Rückfall. Alles von vorne. Wer will noch mal, wer hat noch nicht. Im Nachhinein der wohl größte Erfolg – überlebt.

Heute ist Stuckrad-Barre zweifelsfrei einer der wichtigsten und bekanntesten Autoren und Gegenwartsbeobachter im deutschsprachigen Raum und veröffentlicht mit Noch wach? am 19. April seinen neuen Roman. Das Boot schwimmt. Wir freuen uns.


Benjamin von Stuckrad-Barre > Website // 23.05.23 // Muffathalle //  Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr // 32,25 € inkl VVK Gebühren